Wohlfühlroman Stern der Elbe

Diana Seidel: Der Stern der Elbe

Jetta Reckewisch ist dreizehn Jahre alt, als ihre Eltern nach Ende des Ersten Weltkriegs das Gasthaus „Zum Stern“ eröffnen. Anders als ihre drei Geschwister hat sie allerdings Aufregenderes im Sinn, als nach der Schule im „Stern“ mitzuhelfen. Mit sechzehn schneidet sie sich zum Entsetzen des Vaters die Haare kurz, schminkt sich und genießt mit engelsgleicher Unschuld die Verehrung vieler junger Männer. Bis sie sich eines Tages unsterblich verliebt und für eine Nacht alle guten Vorsätze über Bord wirft; am nächsten Morgen ist der schöne Unbekannte verschwunden, aber die Liebesnacht bleibt nicht ohne Folgen. Mit Anmut und Rafinesse nimmt Jetta jetzt ihr Leben in die Hand, während in Deutschland und der Welt die Ereignisse sich immer krisenhafter zuspitzen.

Die mit viel Humor erzählte Geschichte einer unerschrockenen jungen Frau, zugleich eine deutsche Familiensaga und ein zauberhafter Hamburg-Roman. Quelle: Klappentext

 

„Der Stern der Elbe“ erschien im August 2018 beim Edel Elements Verlag. Vielen Dank an Hans-Joachim Schneider und Diana Seidel, die mir das eBook als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Der Klappentext machte Lust auf mehr

Die Familiensaga ist in drei Teile geteilt, beginnend im Jahr 1919, sodass der Leser mehrere Lebensabschnitte der Familie Reckewisch verfolgt und die Kinder aufwachsen sieht. Die einzelnen Teile sind jeweils in acht Kapitel unterteilt, deren Geschehnisse von einem allwissenden Erzähler wiedergegeben werden. Zu Beginn des Buches dachte ich, dass die Familiensaga überwiegend von Jetta Reckewisch handelt, dem ist allerdings nicht so. Von Kapitel zu Kapitel switcht der „Hotspot“ zwischen den Kindern, sodass der Leser einen guten Einblick in die gesamte Familie bekommt. Wobei ich persönlich Jetta Reckewisch am interessantesten fand.

Gut ausgearbeitete Charaktere

Ich mag Charaktere, die ihren eigenen Kopf und häufig das letzte Wort haben. In dieses „Raster“ passt Jetta sehr gut rein. Ich musste häufig schmunzeln über die Protagonistin. Jetta weiß genau was sie will und wie sie das bekommt und nicht nur das, sie weiß z.B. auch wie sie auf Männer wirkt. So hat sie im jungen Alter von 16 Jahren bereits drei Verehrer, der eine küsst gut, der andere tanzt besser und der dritte beschenkt und kuschelt gerne. Gerade die Handlungsstränge, in deren Mittelpunkt Jetta steht, habe ich regelrecht verschlungen, wobei ich das Buch generell nur sehr schwer aus der Hand legen konnte. Die Handlung hat mich in ihren Bann gezogen.

Besonders gut gefallen hat mir die realistische Art, mit der die Geschichte erzählt, dadurch erhält man einen guten Einblick über die Lebensart und Denkweise des 20. Jahrhunderts erhalten. Gerade bei der Aufklärungsszene habe ich mich köstlich amüsiert:

 

„Magda lächelte. „Ich kann eure Bedenken verstehen, Kinder. Das ist völlig normal. So denkt jede Frau zunächst mal. Und, um ganz ehrlich zu sein: Es ist ja auch – wie soll ich sagen … Vor allem beim ersten Mal … Das ist peinlich und merkwürdig. Also eine normale Frau braucht in der Tat Überwindung, immer aufs Neue, eigentlich das ganze Leben lang. Es mag weibliche Personen geben, die Gefallen daran finden, doch die sind abartig. Das Vergnügen liegt in diesem Fall allein bei den Männern. […] “ „Und jetzt passt auf, meine Mädchen! Wie gesagt, die Männer finden es vergnüglich und eigentlich – also mehr oder weniger – kurz gesagt, sie wollen es dauernd. Im Grunde kann man sagen, jeder Mann will vorrangig nichts anderes von einer Frau. Sie sind süchtig danach. So hat die Natur sie gemacht. […]“ (S.31)

 

Mir hat die Familiensaga wirklich gut gefallen. Gebannt verfolgte ich, wie die Kinder der Familie aufwuchsen und welche Erfahrungen das Leben für sie bereithielt. Leseempfehlung für alle, die gerne Familien- und Historische Romane mögen.

„Der Stern der Elbe“ von Diana Seidel
Edel Elements
290 Seiten
EAN 9783962151799
5,99 € [D]

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